#103 Ein echter Wiener geht nicht unter

Shownotes

In** Folge 103** von „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“ spricht Brigitte Neichl mit dem Operettenkönig Edmund Eysler (1874-1949). Die Episode widmet sich seinem Lebensweg, von den prägenden Jugendjahren in Fünfhaus bis hin zu seinen großen musikalischen Erfolgen bis hin zu seinen großen musikalischen Erfolgen bis hin zu seinen großen musikalischen Welterfolgen wie „Bruder Straubinger“,* „Der unsterbliche Lump“* oder seinem Meisterwerk „Die gold’ne Meisterin“. Sie erfahren, warum die Familie Eysler in der Mariahilfer Straße 139 eine bescheidene Wohnung bezog, wie der junge Edmund am Henriettenplatz die Schule schwänzte und welche dramatische Geschichte sich hinter dem berühmten Ausspruch „Ein echter Wiener geht nicht unter“ verbirgt.

Verkörpert wird der „Meister“ dabei vom Künstler Andre Blau.

Mit dabei ist auch Co-Moderatorin Birgit Dhibi, die gemeinsam mit Brigitte Neichl die Geschichte hinter Eyslers Verbundenheit zu seinem Heimatbezirk beleuchtet.

Skript: Brigitte Neichl.

Weitere Inhalte: • Was tut sich im Bezirksmuseum? • Sonderöffnungstag: Donnerstag, der 20. August 2026, von 17:00 bis 19:00 Uhr in der Rosinagasse 4. • Ausblick auf die nächste Folge: Karin Elise Sturm berichtet über das spannende Upcycling-Projekt „Ticket to the moon“ in der Herklotzgasse 21.

Links

Blogartikel „Mit Ypsilon kannst Du berühmt werden!“ (Wilhelm Karczag zu Edmund Eysler)

Vorort-Geschichte W15#201 Der Edmund aus Fünfhaus. Spuren einer Operettenlegende im 15. Bezirk

Website des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus

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Transkript anzeigen

00:00:19: Fünfzehn Minuten über den fünften.

00:00:22: Der Kultur-Podcast aus Wien, Rudolfsheim fünf Haus.

00:00:37: Hallo Birgitte!

00:00:38: Na?

00:00:39: Wie verbringst du die Sommerpause?

00:00:41: Genießt du die Ruhemuseum oder bist du im Kopf schon wieder drei Ausstellungen weiter?

00:00:47: Hallo Birget!

00:00:48: Ach Du kennst mich ja so ganz.

00:00:50: ohne Bezirksgeschichte geht es auch im Sommer nicht aber ein bisschen durchatmen muss sein.

00:00:56: Für unsere Hörerinnen und Hörern haben wir heute aber trotzdem ein ganz besonderes Programm vorbereitet.

00:01:02: Stimmt, es ist August!

00:01:04: Und das bedeutet in unserem Podcast-Kalender?

00:01:08: Es ist Zeit für eine liebgewordene Tradition unser jährliches fiktives Interview

00:01:15: Genau – für alle die vielleicht zum ersten Mal zuhören.

00:01:18: in diesem Format sprechen und anführungszeichen wie mit einer Persönlichkeit, die bereits verstorben ist.

00:01:25: Die Antworten, die unser Gast gibt sind aber keine Erfindungen.

00:01:29: Sondern bestehen ausschließlich aus Original-Zitaten, als Lebenserinnerung oder Dokumenten.

00:01:35: Man könnte sagen wir lassen die Geschichte für ein paar Minuten direkt zu uns in Studio kommen.

00:01:41: so wird Geschichte auf eine ganz lebendige Weise erfahrbar.

00:01:45: und weil dieses Format so viel Tiefgang bietet nehmen wir uns heute auch etwas mehr Zeit als in unseren gewohnten fünfzehn Minuten Episoden.

00:01:55: Und wen hast du dir diesmal vor das Mikrofon geholt, liebe Brigitte?

00:01:59: Mein heutiger Gast ist der Operettenkönig Ethmund Eisler.

00:02:04: Er wurde zwar in Herrn Aals geboren, verbracht er bei einige wenige jedoch sehr prägende Jugendjahre hier bei uns im Fünfhaus – in einer bescheidenen Wohnung in der Marihilferstrasse Hundertdreißig und hat später auch noch in der Palmgasse und in der Kohlenhofgasse gewohnt.

00:02:21: Am Henrietenplatz ist er in die Schule gegangen!

00:02:24: Ich bin schon sehr gespannt, wer ihm diesmal seine Stimme leit.

00:02:29: Verrätsst du es uns schon Brigitte?

00:02:31: Noch nicht!

00:02:32: Das Geheimnis lüften wir erst nach dem Interview aber zuerst begrüßen wir noch offiziell unser Publikum.

00:02:39: Hallo und herzlich willkommen zur hundertritten Folge von fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten.

00:02:46: Mein Name ist Birgi Thibi.

00:02:48: gemeinsam mit meiner Kollegin Brigitte Neichl bringen wir Ihnen Kultur, Geschichte und Gretzelgefühl direkt ins Ohr.

00:02:57: Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert vom Bezirksmuseum Rudolfsheim V Haus dem Veranstaltungsmuseum im Herzen des Fünffzenden Bezirk.

00:03:07: Mehr dazu finden Sie auf www.museum-fünfzehn.at.

00:03:12: Und

00:03:12: jetzt

00:03:13: geht's los!

00:03:31: Lacht alle aus, sie hat ein Herz so hart wie Stein und ist zu schön und zu sein.

00:03:43: Ihr zucker

00:03:44: süßer

00:03:45: rote Mund werf ihr zu scharf für'n jungfern Bunt?

00:03:52: Sogar die Vogeln wenn Sie sehen, dann jubeln singen die Welt hinaus.

00:03:57: das isst die Kräte aus fünf Haus.

00:04:01: Verehrter Meister, darf ich Sie kurz stören?

00:04:04: Sie wirken gerade so versunken in Ihrer eigene Melodie.

00:04:08: Ja aber gern!

00:04:09: Mein gutes Kind was wünschst du denn?

00:04:12: und sag doch einfach Herr Eisler zu mir weil da wo ich jetzt bin gibt es keine Meister mehr.

00:04:19: Danke!

00:04:20: Herr Eislers dürfte ich ein kurzes Interview mit Ihnen führen?

00:04:25: Aber sicher sehr gern sogar.

00:04:26: warum soll das denn gehen?

00:04:28: Ich würde gerne wenig über ihren Lebensweg erfahren, die Kindheit und vor allem auch ihre Zeit in Fünffhaus.

00:04:35: Ihre Anfänge ist Komponist und ihre Erfolge aber auch die schwere Zeit von deinzehn achtunddreißig bis neunzehntfünfundvierzig.

00:04:43: Das kann dann aber ein langes Gespräch werden.

00:04:46: ich hoffe ich kann mich noch an alles erinnern was du da von mir wissen willst.

00:04:51: also los gehen.

00:04:52: wir sagen wo soll ich beginnen?

00:04:55: Ihr Vater Bernhard Eisler war Webereimeister in Zwittau.

00:04:59: Doch die Enge der Meerischen Kleinstadt konnte seinen Regengeist nicht befriedigen, ihn lockte das Leben in der Großstadt.

00:05:07: Auf einer Reise nach Boskovitz bei der sich die Zustimmung seiner Eltern für seine Zukunftspläne einwohlen wollte traf er im Zug auf Maria Stern.

00:05:17: Es war eine schicksalhafte Begegnung.

00:05:20: Nach kaum einer Stunde Bekanntschaft versprachen sich beide die Ehe Ein Versprechen, das tatsächlich in einen kühllichen Bund mündete.

00:05:28: Gemeinsam zogen ihre Eltern nach Wien und lebten in einer Wohnung in Harnals in der Telemangasse Acht.

00:05:36: Dort begannen sie am Hauptstädtischen Leben teilzunehmen Besuchten Theater- und Vergnübungslokale während sie gleichzeitig die volkstümliche Atmosphäre der heurigen Schenken und Volkssänger in der Vorstadt genossen.

00:05:51: Wie würden Sie Ihre Eltern beschreiben?

00:05:55: Meine Eltern waren in ihrem Charakter sehr verschieden, aber trotzdem in schönster Harmonie gelebt.

00:06:02: Mein Vater war eine leicht lebige und großzügige Natur, er war wohl ein tüchtiger Geschäftsmann, hat aber viele unartender Künstler gehabt.

00:06:12: für alle meine leichte Hand beim Geld ausgeben.

00:06:17: Meine Mutter war eine seelensgute Frau feinsinnig mit künstlerischer Begabung, aber sparsam und rechnend!

00:06:25: Von der Mutter habe ich die musikalische Natur geerbt, vom Vater den Leichtziehen und die Freulichkeit.

00:06:31: Ihre Mutter Maria hatte eine bemerkenswerte Vision für ihre Zukunft.

00:06:36: Sie überraschte ihren Vater Bernhard mit der Bitte endlich ein gutes Karriere anzuschaffen Und auf seine verwunderte Frage nach dem wozu antwortete sie bedeutungsvoll für unsere Kinder.

00:06:51: Ihr Vater fügte sich diesen Wunsch ging in den Brater zur Weltaustellung und kaufte bei der Firma Kama und Meier einen prächtigen Flügel, für die damals enorme Summe von über tausend Gulden.

00:07:05: Damals konnte er freilich noch nicht ahnen, welche schicksalhafte Bedeutung dieses Instrument einmal für ihren Lebensweg haben würde.

00:07:14: Sie wurden am zwölften März-Achzehn-Viren-Siebzig geboren – wie verlief ihre frühe Kindheit!

00:07:21: Ja, mein Großvater Leopold Sterne hat in der neulärigen Felderstraße ein Mehlmessergeschäft mit Delikatesenhandlung gehabt.

00:07:30: Als Kind päderte ich mir dort oft Mehl, Linsen und Fisolen aus oder ich habe Rockstrots genascht, Mardon und Zibeben.

00:07:39: Dort hab' ich das vorstädtische Leben und das Sparen kennengelernt.

00:07:43: Mein Großvatter lebte draus guter Einnahmen äußerst bescheiden.

00:07:47: Zum Nachtmal hatte es täglich selbst zubereiteten Liebdauer und ein Seidor Bier gegeben.

00:07:54: Danach kleinte sich mein Grossvater im Schlafraum, kommt mit seinem golddurchwirkten Türkenkabel gemütlich zurück und hat seine Pfeife geraucht während mir die großen Mutter Märchen erzählt hat, die mich dann in meine Träume begleitet haben.

00:08:10: Und dieses echt vorstadtmäßige Leben das hat bei mir einen besonderen Eindruck hinterlassen.

00:08:17: Leider verlor ich den Großvater bald durch einen Schlaganfall und meine Großmutter starb Ende der Achtzigerjahre von der Influenza.

00:08:27: Das kleinstädtische Milieu, das sich dort in mich aufgenommen hat – es hat auf mein inneres Leben fortgewirkt!

00:08:33: Und deshalb sind mir immer gerade solche Weisen besonders gelungen die in diesem tief erlebten Winertumwurzeln.

00:08:42: Ihr Vater Bernhard Eisler war in Wien durch glückliche Spekulationen an der Börse ein reicher Mann geworden.

00:08:50: Sie verließen die bescheidene Wohnung in Harnals und bezogen im neunten Bezirk in der Porzellangasse V, ein größeres elegantes Heim.

00:08:59: Dort traten sie dann auch in die Volksschule in die Grüne Torgasse, in der ungefähr sechzig Jahre vorher Franz Schubert als Schulgehilfe tätig war.

00:09:09: Sie zeigten bereits früh Freude an der Musik und hatten ein gutes musikalisches Gehör.

00:09:15: Und so begann auch ihr Musikunterricht, an dem teuren Flügel von der Weltaustellung!

00:09:20: Die Volksschule besuchten sie nur bis zur vierten Klasse.

00:09:24: Im Jahr eighteen-einunddachzig kam es zu dem sogenannten Bontugrach an der Börse – und Ihr Vater verlor sein gesamtes Vermögen.

00:09:33: Sie bezogen zunächst im gleichen Haus eine kleinere Wohnung in dritten Stockwerk.

00:09:38: Dann richteten die Brüder ihrer Mutter, ihren Eltern in Fünffhaus eine kleine Delikatesenhandlung ein.

00:09:44: Um in der Nähe des Geschäftes zu sein übersiedelten sie in die Schembrunnerstraße – jetzt Marie-Hilferstrasse hundertneinunddreißig – in einer Zimmerküche wohnen.

00:09:54: Das muss ein furchtbarer Schock gewesen sein!

00:09:56: Der plötzliche Wechsel vom Reichtum an der Porzellangasse in eine winzige Zimmerküchewohnung in Fönffhaus.

00:10:04: Wie haben Sie diesen Absturzeskind erlebt?

00:10:07: Ja, mein Vater hat meine Mutter getröstet.

00:10:10: Du musst deshalb nicht weinen", hat er gesagt.

00:10:12: Ich bin jung genug um noch einmal von vorne anfangen zu können und zu mir hatte er gesagt Das Leben ist zwar huntsordinär aber man darf sich von ihm nicht unterkriegen lassen.

00:10:23: Merkt ihr es mein Junge?

00:10:25: Die fünfte Volksschulgasse besuchten sie dann in der Talgasse.

00:10:29: Der Klavierunterricht wurde aber dennoch fortgesetzt.

00:10:33: Ja ja stimmt ich erinnere mich Vor allem Therese Fleischmann aus der Sperrkasse sieben, die wurde meine Klavierlehrerin.

00:10:42: Sie war ein hübsches Wesen und lieb – und gut zu mir!

00:10:46: Bei ihr habe ich sehr viel

00:10:47: gelernt.".

00:10:48: Zeichnet es sich ihre Neigung zur operette schon damals ab?

00:10:51: Und wie stand Ihr Vater zu ihrer künstlerischen

00:10:54: Begabung?".

00:10:56: Ich weiß nicht ob die Fee-Operette schon verführerisch, tendront und lächelnd an meiner Wiege gestanden hat... Mein Vater hätte sich die Anwesenheit einer solchen Person jedenfalls energisch verbeten.

00:11:10: Er hat eine Schwäche für die Technik gehört und er hat mich in die Realschule am Henriettenplatz geschickt, ich sollte ja Ingenieur werden.

00:11:18: Inzwischen waren sie von der Talgasse in die Palmengasse und dann in die Kohlenhofgasse übersiedelt?

00:11:24: Wie erging es ihnen am Henrietenplatz?

00:11:29: Meine Realschutzzeit ist nicht sehr rühmlich verlaufen.

00:11:33: Schon die erste Klasse musste ich auf Verlangen meiner Professoren wiederholen.

00:11:38: Daran war damals schon meine Vorliebe für das schöne Geschuldschuld.

00:11:43: Ich stand im elften Lebensjahr als ich zum ersten Mal, wie man sagt in Liebe gebrannt habe.

00:11:49: Wie lief das ab?

00:11:51: Ja, auf meinem Schulweg bin ich öfters einem schönen Blonden mit dem moldeten Mädchen begegnet ein echtes Wiener Kind.

00:11:59: und ich hab mich unsterblich in sie verliebt.

00:12:02: Und bald hatte ich heraus, dass sie mit mir gleichaltrig war und die erste Bürgerschulklasse in der Rosinagasse besucht hat.

00:12:11: Und das sie annahl ist.

00:12:13: Unterstande ich nun täglich ob schön oder regen vor dem Schuleingang?

00:12:16: Und habe gewartet bis die Liebliche sich zeigt.

00:12:21: Meinen Großarzt kam er wieder da aber ich war ja schon glücklich wenn ich Sie nur hab sehen können.

00:12:26: Ja und das Lernen war mir natürlich Lebenssache und oft habe ich die Schule geschwänzt nur um eine Begegnung mit ihr nicht zu versagen.

00:12:35: Und wie ging es in der Schule weiter?

00:12:38: Ich habe also die erste Klasse der Realschule am Henrietenplatz gründlich gemacht, trotzdem ging es mir später nicht viel besser.

00:12:47: ich hatte da sogar kein Talent für die realen Fächer Mathematik und Zeichnen.

00:12:52: wenn ich einige Linien auf dem Zeichenblatt gezogen hab dann waren das meistens Notenlinien.

00:12:58: auch mit dem Kaligraphieprofessor war ich im Kampf.

00:13:02: Meine Handschrift war mein ganzes Leben lang schwer zu entziffern.

00:13:07: Was interessiert das ihr denn mehr?

00:13:10: Ich habe immer viel für die schönen Künste übrig gehabt, Schiller, Goethe, Shakespeare.

00:13:16: Habe ich mit Heißhunger verschlungen ebenso die Werke der Philosophen, Helge, Kant, Schopenhauer und so weiter... Und die Musik natürlich!

00:13:26: Der Musik, der kalt, meine besondere Liebe.

00:13:29: Beethoven war mein Abgott.

00:13:31: Nun folgte die nächste Übersiedlung weg aus Femfhaus, nämlich in die obere Augartenstraße.

00:13:38: Sie kamen in die Realschule der Klockengasse.

00:13:41: Nachdem sie dort hinausgeworfen wurden, wechselten sie in die Singersche Privatschule in der unteren Tomaustraße, Ecke-Tempelgasse und dann machte eine Aufnahmeprüfung in die vierte Klasse der Realschuhe in der Vereinsgasse.

00:13:58: Wie er ging es ihnen dort?

00:14:01: Ja, wieder waren Rechnen, Geometrie und Zeichnen die Klippen an denen meine Mittelschulkarriere gescheitert ist.

00:14:10: In der Mathematikstunde waren meine Gedanken bei Goethe um Schiller und bei der Musik.

00:14:14: statt gleichen Gipsköpfen die ich hätte zeichnen sollen habe ich lebensfreue Landlerkonformiert und so war ich halt immer im Zwiespalt mit meinen Lehrer.

00:14:24: Kurz vor Schluss des zweiten Semesters liest Herr Klassenvorstand ihre Mutter in die Schule rufen.

00:14:30: Was hat er hier gesagt?

00:14:33: Er hat gesagt, wenn Sie uns versprechen, dass der Bursche also ich nie mehr in die Schule kommt.

00:14:40: Dann lassen wir ihn durchkommen!

00:14:42: Wenn er aber weiter studieren soll dann muss er die vierte Klasse repetieren.

00:14:47: Im Übrigen sage ich Ihnen aus dem Strick wird nie was Rechtes werden.

00:14:51: Da hat er sich ja gründlich gegeben.

00:14:54: an Ihrem weiteren Lebensweg hatte dann jemand bestimmter einen großen Anteil.

00:14:59: Wer war das?

00:15:01: Ja, im Jahr achtzehn neunundachtzig.

00:15:05: Nach während meiner Realschulzeit habe ich einen neuen Freund kennengelernt der Leo Fall hieß und damals sechzehn Jahre alt war.

00:15:13: Der stand ja seiner kinderreichen Familie, der Vater war Militär-Kapellmeister in Länenberg und er war nach Wien gekommen um am Konservatorium Musik zu studieren.

00:15:25: Er hat in der Leopoldstadt gewohnt bei einer auch nicht begüterten Frau, die ihm eine Schlafstelle und zu Essen gegeben hat.

00:15:33: Dafür hat er ihre Tochter unentgeltlich im Klavierspiel unterrichten

00:15:36: müssen.".

00:15:38: Und die Quantität des Essens stand in umgekehrtem Verhältnis zu seinem Appetit.

00:15:43: also der Amelio war daher immer hungrig.

00:15:46: Da gibt es doch diese Geschichte mit dem Marillenknödeln?

00:15:49: Ja,

00:15:50: ja!

00:15:51: Mit Erlaubnis meiner Eltern habe ich ihn eines Tages zum Essen eingeladen.

00:15:56: Man war ja nicht engherzig im Hause Eisler.

00:15:58: Und meine gute Mutter, die sah sogar mit einem gewissen Hausfrauen stolz zu wie mein neuer Freund ohne Anstrengung zwei und zwanzig Marillenknödel hinuntergelegt hat.

00:16:10: Man ist der Leo aufgestanden nach deiner artige Verbeugung wünscht uns eine gesegnete Mahlzeit geht zum Klavier und lässt den Torero-Marsch aus der Operkarme

00:16:19: ertönen.".

00:16:21: Und wie ging es dann mit Leo Fall weiter?

00:16:23: Ja, der Leo, der ist dann oft zu uns gekommen und hat mich in meinen Bestreben unterstützt um ins Konservatorium zu gehen.

00:16:31: Und endlich hat er mein Vater eingewilligt obwohl er mich immer noch lieber als Ingenieur gesehen hätte.

00:16:37: Mit dem Tag da Leo Fall in unser Haus gekommen war, hat für mich eine neue Zeitspanne bekommen.

00:16:45: Wir saßen fast täglich zusammen und haben unsere geheimsten Gedanken ausgetauscht die bei uns beiden vor allem dahingehend berühmte Komponisten zu werden.

00:16:56: Und mit ehrlichem Stolz besuchte ich also nach bestandener Aufnahmsprüfung des Wiener Konservatoriums, das unter Josef Helmes Bergers Leitung ja Weltruf besaß.

00:17:06: Da gab es auch einen Zusammentreffen mit Johannes Brahms, der ist aber nicht so gut verliebt?

00:17:12: Ja!

00:17:12: Am Ende des Schuljahres sollten wir jeder eine eigene Komposition vorspielen.

00:17:17: Meister Brahms wurde gebeten als Preiserichter zu erscheinen und hat zugesagt.

00:17:22: Und das war natürlich für uns eine ganz große Ehre.

00:17:27: Zum besonderen Verständnis des folgenden muss ich jetzt erwähnen, dass Brahms sehr gegen die Musik des norwegischen Komponisten Edward Krieg eingenommen war Möglicherweise vielleicht deshalb, weil Krieg gerade zu der Zeit da Brahms in Wien ja um Anerkennung gerungen hat.

00:17:43: Hier schon sehr beliebt war und während man das kriegsche Klavierkonzert befasst jedem Konzert hört hören können.

00:17:49: würde das von Brahms – obwohl es auch große Schönheiten besitzt und heute ja voll anerkannt ist – das wurde nur recht selten gespielt.

00:17:57: Ich muss auch gestehen dass auch ich damals mehr für Krieg als für Brahms geschwärmt habe da uns Jungen der Norweger leichter verständlich war, weil er Homophon schrieb während uns die kontrapunktische Art von Brahms wirklich harte Nüsse hat zu Gnaken gegeben.

00:18:13: Ja also, Brahms war als Erzer Prüfung erschienen.

00:18:17: ich saß in der ersten Reihe.

00:18:19: meine Komposition lag vor mir.

00:18:21: Brahms blickte Würde voll im Kreise rum und fragt welcher ist der begabteste von euch?

00:18:28: Meine Mitschüler wiesen auch mich.

00:18:30: Vielleicht gab es noch Begabtere unter uns, sicherlich aber war ich einer der fleißigsten.

00:18:35: Brahms rief mich also auf und habe meinen Werk gespielt – den ersten Satz seiner Violinsonate.

00:18:43: Sie war von der schreibweise Kriegsbeinfluß wie nach dem Früher gesagten ja leicht erklärlich.

00:18:48: Brahmes hat das natürlich sofort gemerkt, stellte seine Mähne auf und hat nur gesagt viel zu homophom!

00:18:55: Damit war ich für Brahms abgetan, weil ich dem Kontrapunkt zu wenig Referenz erwiesen habe.

00:19:01: Sie verließen das Konservatorium mit einem glänzenden Zeugnis und einer Mappe mit Kompositionsskizzen und machten sich auf die Suche nach einem Verleger.

00:19:11: Für den Lebensunterhalt waren sie vorerst aber noch oft Gavir-Unterricht angewiesen.

00:19:16: Im literarisch-künstlerischen Verein zur Verbreitung von Friedensideen, kurz Friedensgesellschaft bildete den eigentlichen Mittelpunkt der Gesellschaft Bertha von Sutner, deren Roman die Waffen nieder vom Achtzehn und Achtzig Aufsehen erregt hatte.

00:19:32: Die künstlerisch-literarischen Veranstaltungen ließen neben bekannten Schauspielerinnen, Schriftstellerinnen auch junge Kräfte zu Wort kommen.

00:19:41: Auch sie draten dort ab und zu als Solist auf Ihr der Baronen Sudner gewidmeter Wald zur Friedensklänge erschien im Verlag Rattig in der Wallner Straße.

00:19:53: Das war ihr erstes verlegtes Werk.

00:19:56: Nun wollen wir aber ein wenig privat werden, wenn Sie erlauben?

00:20:00: Wie war das denn im Stadtpark auf dem Bankerl beim Schubert-Denkmal?

00:20:07: Famos ja!

00:20:09: Daran erinnere ich mich gern zurück.

00:20:11: Ich saß im Stadtbark... und habe einen Blick nach einem schönen Freuland nebenan geworfen.

00:20:17: Sie so ohne weiteres anzusprechen, habe ich natürlich nicht gewagt.

00:20:21: Als ihr aber das Buch in dem sie gelesen hat von der Bank gefallen ist, hob ich es galant auf und überreichte es ihr mit einer Verpeugung.

00:20:31: Kommen Sie öfters in den Stadtpark verehrtes Freulen?

00:20:35: Habe ich jetzt zu Fragen gewagt?

00:20:36: ja!

00:20:36: Und die Antwort laute die Hoffnungserwecken Ja.

00:20:40: Von nun an haben wir uns immer öfter im Stadtpark getroffen.

00:20:43: Schließlich folgte die Verlobung.

00:20:45: mit Freiland-Poldi, Leopoldine all noch und nach zweijährigem Brautstand sind wir im Jahr eighteenseinundneinzig am Standesamt die Ehe eingegangen.

00:20:57: Im nächsten Jahr trat ich zur katholischen Kirche über und am dritten April, achtzehnachtundneunzig wurde ich in der Pfarrkirche zur heiligen Dreifaltigkeit in der.

00:21:07: Als erstressend war das, wurde ich getauft und am selben Tag traten wir in der Selbenkirche vor dem Traaltag.

00:21:15: Wie würden Sie Leopoldine beschreiben?

00:21:18: Ja sie waren Bildschöne sein wohl erzogenes Mädel Tochter eines Maschinisten der kufnerischen Bierbrauerei Und einer braven fleißigen Muttern Und sie ist die edelste Frau geworden, die man sich denken kann.

00:21:31: Bescheiden.

00:21:32: liebenswürdig Stets meine beste Freundin.

00:21:36: Sie hat es mit mir nicht immer leicht gehabt, hat aber jederzeit treu zu mir gehalten.

00:21:41: Ich konnte mich nie um die Häuslichkeit kümmern.

00:21:44: Sie hat nur für mich gelebt und ihre Kinder, die sie zu bravem Menschen erzogen haben.

00:21:49: So etwas wie meine Frau gibt es selten – sie ist was ganz Außergewöhnliches!

00:21:55: Krete wurde aus dem Jahr eighteen siebenundneinzig geboren und hieß später Pullmann.

00:22:03: Und Maria kam ein sehn-eins zur Welt, und hieß später Mario.

00:22:07: Ja, Geidelbäumeißerin und im Temperament mir nachgeraten und die Mitzi.

00:22:13: Die gleichen Filme ihrer Mama.

00:22:16: Ihre erste größere Arbeit war ein Ballett mit dem Namen Schlaraffenland.

00:22:21: Ihr Freund der Schriftsteller Heinrich Gücksmann, später Dramaturk des deutschen Volkstheaters machte die Sache bühnenreich!

00:22:29: Mit dem Klavierauszug gingen sie direkt in die Hofoper zum Ballettmeister Josef Hassreiter und legten es ihm vor.

00:22:36: Ja, Hassreuter hat mich vorspielen lassen und sagt dann... Die Musik ist wirklich reizend!

00:22:43: Lassen Sie mir den Klavier Auszug da?

00:22:45: Ich werde mit Franz Gaul, das war der damalige Ausstattungsschef der Hofoper, ich werde mit dem Gaul darüber sprechen.

00:22:52: Das ging ja leider nicht gut aus.

00:22:54: Es hing letztlich am Direktor Der damals Gustav Mahler war.

00:22:58: Ja so war das, ich erhielt einen Brief von Hassreiter in dem man schrieb mein Kollege Gaul schätzt die Kosten der Ausstattung ihres Palettes auf rund hundertzwanzigtausend Kulten und direkter Maler will sich auf so hohe Kosten für das Werk eines Anfängers nicht einlassen.

00:23:17: es tut mir sehr leid ihnen das mitteilen zu müssen.

00:23:19: ihre Musik ist wirklich hübsch und hat mich und anderen sehr gut gefallen.

00:23:22: Ich wünsche Ihnen anderweitig schöne Erfolge.

00:23:27: Nach diesen ersten Rückschlägen vermittelte ihr Schwager Wolkenberg das entscheidende Treffen mit dem Libretisten Ignats Schnitzer.

00:23:36: Ja, als mir mein Schwager diese Einladung gebracht hat, da war ich überglücklich!

00:23:41: Ignatschnitzer der Freund und Leib-Librettist eines Johann Strauß – er war im damaligen Wien ein grausamer Mann.

00:23:48: Bei ihm als Komponist nur vorsprechen zu dürfen, das war schon so viel wie der Anfang einer Karriere.

00:23:54: Am nächsten Sonntag habe ich also alles, was sich an eigenen Noten besaßt zusammengepackt und mich zu Schnitzer begeben.

00:24:02: Er hat in der Belarierstraße Nummer zehn im ersten Stock eine herrlich eingerichtete Wohnung gehabt.

00:24:08: Als ich in sein Arbeitsdimmer eintrat war das erste, was mir in die Augen fiel ein wundervoller bösen Tor verflügel.

00:24:16: Es war an einem Sonntag im Jahr nennensundhundert, drei Uhr Nachmittags als ich den Klavierdeckel mit glopfendem Herzen geöffnet habe.

00:24:23: Schnitzer der mich freundlich empfangen hat setzte sich neben mich Blätter die in meinen Noten und bezeichnete die Stücke die ich hab spielen sollen.

00:24:31: Märsche Lieder Die ganze Palette Musik wie sie sich vorspielen Und Ich habe eigentlich Elend schlecht gespielt.

00:24:40: Aber sie konnten nicht nur den Text dichte, sondern auch den im Nebenraum lauschenden Musikverleger Josef Weinberger von ihrem Talent überzeugen.

00:24:49: Der daraufhin feststellte dass Sie fürs Theater schreiben können.

00:24:54: Ja Schnitzer übergab also den ersten Akt des Hexenspieler mich, falläufig als Braubearbeit und ich habe ihn glückselig nach Hause getragen.

00:25:04: In vierzehn Tagen war ich mit dem Skizzen zu diesem Akt fertig Und wieder an einem Sonntag spielte ich bei Schnitzer, diesmal schon leichteren Herzens die neue Arbeit vor.

00:25:14: Weinberger war auch wieder erschienen, hat sich aber nicht mehr im Nebenzimmer versteckt.

00:25:19: Die beiden Zuhörer waren von meiner Musik entzückt und Schnitzer meinte am Schmunzfund – jetzt kann ich ihm wohl auch die beiden anderen Akte anvertrauen!

00:25:27: Und Weinberger setzt ihn zu.

00:25:30: Der junge Mann soll die Oper vollenden und dann mit dem fertigen Werk zur mir

00:25:33: kommen.".

00:25:35: Es war anfangs April, ich ging mit Begeisterung an die Arbeit und Ende Mai war der ganze Klavierauszug des Hexenspiegels fertig.

00:25:43: Das Werk wurde aber zunächst abgelehnt wieder von Direktor Gustav Mahler.

00:25:49: so mussten sie sich nach einer neuen Erwerbsquelle umsehen.

00:25:52: durch die Vermittlung von Schnitzer kamen Sie in Kontakt zu Gabor Steiner dem Leiter des berühmten Vergnügungsetter Plismors Venedigin Wien am Bratterstern.

00:26:03: Dieser erkannte ihr Talent und engagierte sie als Hauskomponist- und Kabellmeister.

00:26:09: In dieser Zeit schufen Sie eine große Bandbreite an Musik, die von großen Paletten bis hin zu populären Nummern für das sogenannte Wiener Unterbrettel reichte.

00:26:20: Das war eine lokale Antwort auf das Berliner Kabarett.

00:26:24: Welche Lieder komponierten Sie da?

00:26:27: Zum Beispiel aber oft Nacht – für Teenie-Senders!

00:26:33: Schassons für die große Fritzi Massari.

00:26:36: Steiner zeigte sich ihnen gegenüber sehr menschlich, besonders als ihre Mutter schwer erkrankte und er ihnen spontan half?

00:26:45: Ja!

00:26:45: Er hat mir hundert Gulden gegeben und hat gesagt, da haben sie uns Sorgen für ihre kranke Mutter.

00:26:52: Und bevor ich meine Rührung her werden konnte um ihm danken zu können war er verschmunden.

00:26:57: Während ihrer Zeit als Hauskomponist bei Gabriel Steiner im Brater, barnte ihr Verleger Weinberger hinter den Kulissen den Durchbruch an.

00:27:06: Er spielte dem Libretisten Noritz West, der einen Komponisten für sein neues Werknamensbruder Straubinger suchte, ihre Musik zum Hexenspiegel vor.

00:27:16: West war sofort überzeugt und trief aus, bringen Sie mir den Eisler!

00:27:20: Der Mann kann fürs Theater

00:27:22: schreiben.".

00:27:23: Ja, und nach dieser für mich bedeutsamen Stumme hat mich Weinberger mit einer pneumatischen Korrespondenzkarten zu sich eingeladen.

00:27:30: Ich bin natürlich sofort zu ihm geheilt und er teilt mir freudig mit das ihr für mich einen neuen Textdichter gefunden habt und hat gemeint ich habe ihnen schon öfters meine Meinung gesagt lieber Eisler dass sie der geborene Operettenkomponist sind wie wen ihn braucht.

00:27:46: es ist daher für Sie ein ausgesprochener Haupttreffer das ja der hoch angesehene Dr.

00:27:52: West Bereit ist ihnen ein Operätenlibrator zu schreiben, noch dazu eines in dem Alexander Girardi die Hauptrolle spielen will.

00:28:03: Und der neue Held meines Schaffens hieß von nun an Bruder Straubinger – wobei mir meine Musik zum Hexen-Spiel als wertvoller Grundstock gedingt hat!

00:28:11: So konnte ich z.B.

00:28:12: das THZ vierblättiger Klee daraus

00:28:15: übernehmen.".

00:28:16: Da muss sich nur kurz für unsere Zuhörerinnen erklären was eine pneumatische Korrespondenzkarte ist?

00:28:23: Das war eine spezielle Wiener Rohrpostkarte für rasche, innerstädtische Nachrichten übermittlung mittels Luftdruck in einem unterirdischen Röhrensystem und bestand seit eighteenfünfundsiebzig bis neunzehnsechsundfünftig.

00:28:38: Also so was haben Sie heutzutage nicht mehr?

00:28:40: Nein nein das System wurde neunzen sechsohnfünftig wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.

00:28:46: aber zurück zu Ihnen lieber Herr Eisler.

00:28:49: Diese Entwicklung führte allerdings zu einem harten Bruch mit Steiner.

00:28:54: Als dieser von ihren Plänen erfuhr, war für ihnen Treullosigkeit vor, da sie ihm ihr neues Werk nicht zuerst zur Aufführung angeboten hatten und kündigte ihnen fristlos.

00:29:06: Doch am zwanzigsten Februar III verflogen alle Sorgen – die kranzvolle Uraufführungen vom Bruder Straubinger am Theater in der Wien mit Alexander Schirade wurde ein Triumph!

00:29:18: dass sie mit einem Schlag weltberühmt machte.

00:29:21: Ja, das war auch die Zeit als ich zu meinem neuen Namen kam.

00:29:26: Darauf wollte ich gerade zu sprechen kommen!

00:29:28: Als ihr großer Triumph mit dem Bruder Straubinger unmittelbar bevorstand gab ihnen der Direktor des Theater an der Wien Wilhelm Karczak ein gebürtiger Unger einen folgenreichen Rat?

00:29:41: Das waren eine jener Begegnungen, die ich nie vergessen werde... Einige Tage vor der Premiere hat nicht direkter Karczak in seine Kanzlei rufen lassen und meint in seinem unrahmlichen Unglisch-Wienerisch.

00:29:54: Also lieber Eisler Baci, deine Musik ist sehr schön!

00:29:58: Aber möchte dir guten Rat geben?

00:30:00: Nome Eisler ist gut für Geschäftsmann oder für Beamte aber nicht für Künstler.

00:30:07: Als Eisler kannst du nie nicht werden berühmt.

00:30:11: Was haben Sie dazu gesagt?

00:30:13: Ich war erst einmal BAF Und habe gesagt, warum soll ich mit dem ehrlichen alten Namen meines Vaters nicht berühmt werden?

00:30:20: Aber Katzschalk hat nicht locker gelassen und mir erklärt.

00:30:23: Aber nein!

00:30:24: Klar, wir nehmen wenigstens Y in dein Ei statt I. Y ist bekannt, interessant.

00:30:31: Leute werden glauben du bist Holländer.

00:30:33: Mit Y du kannst werden

00:30:35: berühmt.".

00:30:36: Ja der hat keine Ruhe gegeben bis ich schließlich nachgegeben hab.

00:30:40: Ich verabschiedete mich als Eisler mit Y und er rief mir in bester Laune nach.

00:30:45: Servus, Eisler!

00:30:47: Mit Y!

00:30:49: Dass ich den Namen später sogar haupt amtlich ändern lassen.

00:30:52: Das lag an einem Advokaten der mich gewarnt hat dass meine Erben sonst Probleme mit den Tantiemen bekommen könnten.

00:30:59: Da ja Eisler Y ohne Behördensegen nur als Künstlername gelten würde.

00:31:06: Der hatte das Honorar für die Erledigung einen kleinen Pierserteppich aus meinem Arbeitszimmer verlangt.

00:31:13: Den hat er dann auch bekommen und so hießen wir seither alle gesetzlich Eisler mit Y.

00:31:20: Bei der ganz vollen Premiere flüsterte Ihnen Alexander Girardi etwas zu, was war das?

00:31:25: Ja, Girardi fasste mich am Ärmel, zog mich mit auf die Bühne für das beifallspendende Publikum Und wie ich mich an seiner Seite bedanke sagt er bei jeder Verbeugung zu mir keine Lackberg Kein Frag zur fünfundzwanzigsten Lag und Frag, sonst spülen wir nicht.

00:31:46: Bei der fünfundzwanziger Aufführung konnte ich mich dann schon intadellosem Fraganzug mit Lachschuhen bedanken weil die Tantiemen des Bruder Straubinger, die haben mir solche Auslagen leicht möglich gemacht.

00:31:59: Lackböck das war nämlich damals für die elegante Abend-Talete unbedingt vorgeschrieben.

00:32:05: Das Wiener Premier am Publikum hat es ein Urteil gefällt Und es war zu ihren Gunsten ausgefallen.

00:32:12: Daran änderten auch einige abfällige Kritiken nichts, die mündliche Propaganda wirkte stärker als das geschriebene Wort und die zweite Aufführung des Brudestraubinger sowie den meisten Folgenden waren ausverkauft Die Eisleroperette erreichte damals nicht sehr häufige Zahl der hundertsten Auffführungen.

00:32:32: Wir wollen nun Ihre rasante Karriere im Schnelldurchlauf Revue passieren lassen, lieber Herr Eisler.

00:32:38: Ja gerne!

00:32:39: Wie Sie wünschen?

00:32:40: Ich bin gespannt.

00:32:41: Nach dem Straubinger wurde Alexander Schirade ihr engster Freund und wichtigster Interpret.

00:32:47: Als dieser sich mit Karl Weiner neben Wilhelm Karczak direkter am Theater an der Wien überwarf folgten sie Schirate ans Karltheater.

00:32:57: Dort feierten sie mit der Schützenlisel und Stars wie Mitzizverrens, Max Rohr und Floras Sieding einen riesen Erfolg.

00:33:06: Der vor allem durch ein zutiefst emotionales Lied in die Geschichte eingegangen – das berühmte Mutterlied!

00:33:13: Wie ist dieses Lied entstanden?

00:33:17: Ich habe dieses Motiv in liebevollem Gedenken an meine eigene Mutter geschaffen, die mir meinen ersten Flügel gekauft hat.

00:33:26: Alexander Girardi, der seine Mutter ebenfalls über alles verehrt hat, sankte es mit einer solchen zarten Inlichkeit.

00:33:36: Dass ihm selbst jedes Mal die Augen feuchtgefolgen

00:33:38: sind.".

00:33:39: Es folgte ihre Ehre als Hauskomponist am Bürgertheater unter Direktor Oskar Franz.

00:33:45: Das Theater befand sich in der vorderen Zollamtstraße XIII.

00:33:50: Werke wie Der Unsterbliche Lump mit Otto Sturm und der Frauenfresser mit Fritz Werner wurden zu Meilensteinen.

00:33:59: Auch das Varietäer oberten sie im Apollo Theater unter Ben Tiber, mit Vera Violetta und der Darstellerin Polycos.

00:34:08: Die Presse fand für ihren Stil ganz eigene Worte.

00:34:12: Wissen Sie noch wie man Ihre Arbeit bezeichnete?

00:34:15: Ja ja ich kann mich noch erinnern.

00:34:17: da hieß es Ich schreibe Musik für unmusikalische Eine gewisse aufrichtige Banalität.

00:34:25: oder auch andere setzen sich hin, bodenständig zu sein.

00:34:29: Er ist bodenständig!

00:34:31: Oder die Wienernote hat er.

00:34:34: Am besten gelingt sie ihm wo er sich traut herzhaft volkstümlich zu werden.

00:34:39: Da weht ihn von Wienerwald aus der Gegend, wo ein langen Stangen der Buschen baumelt und bei kleinstem Orchester die lauteste Freulichkeit sterb auf jauchzt.

00:34:48: Manch lustige Melodiens vor.

00:34:50: so haben Sie geschrieben.

00:34:52: Auch über den Ozean hinweg feierten sie Erfolge.

00:34:56: Der New Yorker Direktor Savage erwarb die Rechte an ihrer Operette Künstlerblut, kaufte aber da ihm die Musik für amerikanische Verhältnisse nicht ausreichte auch noch Johann II und das Gückschweinchen dazu.

00:35:10: Aus dieser Musik zu drei Werken formte er schließlich zwei neue Operetten für seine US-Bühnen – The Love Comedy basierend auf Künstlablut.

00:35:20: Wir wollen noch kurz auf die Zeit des Ersten Weltkriegs eingehen.

00:35:27: Was geschah, als Sie mit vierzig Jahren zur Musterung antreten mussten?

00:35:32: Ja bei der Ascentierung sprach der Regimentsrats das Urteil über mich tauglich ohne Gebrechen.

00:35:40: Kaum habe ich aber den Ascentrahmen verlassen um mich wieder anzugleiden, brach ich in Folge plötzlicher Herzschwäche zusammen.

00:35:47: Man hat mich dann in ein dunkles Zimmer gebracht und mich dort auf eine Pritsche gelegt.

00:35:51: Nach ungefähr einer Stunde war ich soweit nach Hause fahren zu können.

00:35:55: Und ein Hauptmann der Zeuge meines Anfalls war, hat dann eine neuerliche Überprüfung veranlasst.

00:36:00: und jetzt konstatierte der Arzt bei mir eine Herzerweiterung!

00:36:04: Und wie ich mit dem neuen Befund nachhause gekommen bin, sagt mein jüngeres Töchter Ich habe mir immer schon gedacht die vielen Damen im Papas Herzen sind sein Glück

00:36:17: Wie weiß Musikmäßig in der Kriegszeit?

00:36:20: Ja ja, jetzt waren auch für die Theater schwere Zeiten angebrochen.

00:36:23: In den ersten zwei Kriegsjahren war der Besuch sehr schwach und hat dann aber wieder einen überraschenden Aufspunkt genommen.

00:36:30: Ich habe viel Arbeit gehabt.

00:36:31: Neun Operetten habe ich in diesen vier Jahren von nineteen vierzehn bis neunzehn achtzehn geschrieben.

00:36:37: Unter anderem Hani geht Tanzen, Kraft Tony und der Aushilfskarte uns weg.

00:36:44: Ihr ruft dran bis nach Italien!

00:36:47: Ihre Operette, die Schöne Mama wurde im Jahr ein Labella Mamina in Rom am Teatro Nationale uraufgeführt und vom dortigen Hof stürmisch gefeiert.

00:36:59: Die Operette wurde auch mal aus Suite aufgeführt – ein Erfolg, wie er in Rom bei leichten Stücken noch selten war!

00:37:07: Nach diesem Erfolg nahm Direktor Franz die Schöhne Mama für das Wiener Bürgerteater an.

00:37:13: Am siebzehnten Dezember, einundzwanzig erschien sich auf dem Spielplan und erreichte hier hundertfünfzig Aufführungen.

00:37:22: In den neunzehnzwanziger Jahren änderte sich der Zeitgeschmack radikal.

00:37:27: Von böse Ausstattungsstücke und exotische Rhythmen verdrängten die schlichte Wiener Operette.

00:37:33: Und man begann sogar zu glauben Sie könnten gar nicht mehr zeitgemäß komponieren!

00:37:39: Wie kam es dazu, dass Sie sich schließlich doch an einen völlig neuen Stil wagten?

00:37:44: Ja, das war so.

00:37:45: Ein junger Libertist hat mir vorgehalten, gestehen sie doch Meister, daß sie nur die Veralte der Musik schreiben können!

00:37:52: Wenn sie in der Lage wären, einen Faschen Foxtrot zu komponieren dann hätten sie es gewiss schon längst getan.

00:37:58: Und da hab ich zu ihm gesagt, bringen Sie mir Ihr modernes Buch – Ich werde's vertonen.

00:38:04: Das Ergebnis war die Operette das Land der Liebe, die im Dezember-Ninzehn-Fünfundzwanzig am Bürgertheater Premiere feierte.

00:38:12: Wie war die Reaktion auf den Charleston in ihrem Werk?

00:38:16: Naja es war eine Sensation!

00:38:18: Denn man hat geglaubt seinen Ohren nicht trauen zu dürfen.

00:38:21: Ich selbst bin am Pult gestanden und habe den Takt zu einer Tanzorge von wirbelnder Wildheit in exotischem Rhythmus wie sie dann geschrieben haben gegeben.

00:38:30: Ich habe also bewiesen, dass ich auch auf diesem Gebiet schöpferisch sehen kann.

00:38:34: Nicht?

00:38:35: Eine amerikanische Jazz-Company hat diese neueste Musik sogar sofort angekauft.

00:38:40: Nach der Zeit der modernen Tanzorgien kehrten sie in ein sensitive Triumphierend zu ihren Wurzeln zurück.

00:38:49: Doch dieser künstlerische Höhepunkt war überschattet von einer schweren privaten Last.

00:38:54: Ein nahe Verwandter hatte durch einen leichtsinnigen Lebenswandel enorme Schulden angehäuft, für die sie als Bürger einstehen mussten.

00:39:04: Es droht ihnen sogar der Verlust ihres Heims, ihrer geliebten Willer!

00:39:09: Herr Eisler, wie war es Ihnen möglich in einer so bedrückenden Zeit, in der Wucherer Sie betränkten, ein so lebensfreies Werk wie die Goldene Meisterin zu schaffen?

00:39:20: Ja – in der Tat Ich saß tief in der Tinte.

00:39:23: Die Schuldenlast war mit dem Wucherzinsen auf einhundertsechzig tausend Schilling

00:39:28: angewachsen.".

00:39:29: Wie viel werden das heutzutage bei Ihnen?

00:39:31: Wir haben ja den Euro inzwischen und es wären siebenhundert sechsohnfünfzigtausend siebhunderteinundzwanzig sechzig!

00:39:40: Ja, denn anderer hätte sich in dieser bedrängten Lage vielleicht eine Kugel in den Kopf geschossen.

00:39:46: Ich aber habe mich hingesetzt und hab meine Operette die Goldene Meisterin geschrieben.

00:39:50: Als mein Verlieger Weinberger mich nach dem Erfolg gefragt hat, was ich dazu sage, konnte ich nur antworten, fesch ist.

00:39:58: Aber im Stilen habe ich mir gedacht noch so ein Erfolg und ich arbeite nicht mehr für meine Gläubiger sondern für mich

00:40:05: seelbar.".

00:40:06: Die Uhraufführung am threiztenden September neunzenseinzwanzig an Theater in der Wien wurde ein beispielloser Trium.

00:40:14: Inmitten von Charleston und Tango ließen sie das alte Wien mit seinen reifreuten- und goldenen Senften wieder auferstehen.

00:40:21: Das Werk wurde zweihundertzwanzig Mal Auswit aufgeführt.

00:40:27: Die WienerInnen haben sich für diese Rückkehr zum echten Wienertum stürmisch gefeiert.

00:40:33: Was bedeutete ihnen die darauf folgende Verleihung der Ernbürgerschaft?

00:40:39: Ja, es war mein twentyfünfjähriges Künstlerjubiläum.

00:40:43: Die Stadt Wien hat mich zum Bürger Ehrenhalber Jananz.

00:40:47: Bürgermeister Carl Seitz, der schrieb mir das ich den Wienern ungezählte Stunden volkstümlichen Kunstgenusses bereitet habe.

00:40:55: Ich war zutiefst dankbar denn alles was ich geschaffen hat wurde ja eben in diesem Winertum.

00:41:01: Wie schon gesagt hab die sich als Kind in der Vorstadt also auch bei euch im Fünfhaus eingeatmet haben und dass mir dieser Titel später in den dunkelsten Jahren einen gewissen Schutz bieten wird Das konnte ich damals freilich noch nicht ahnen.

00:41:16: Wir kommen nun zu einem Kapitel, das im krassen Gegensatz zum bisherigen Glanz steht – den dunkeln Jahren zwischen deihtunddreißiger und neunzehnfünfundvierzig.

00:41:26: Während viele ihrer Kollegen die Flucht ins Ausland antraten blieben sie ihre Heimatstadt unter Lebensgefahr treu.

00:41:34: dabei bot ihnen ihr Status als Bürgerernhalber der Stadt Wien einen gewissen wenn auch fragilen Schutz vor der Deportation.

00:41:43: Herr Eisler, warum haben Sie trotz der drohenden Gefahr nie erwogen Wien zu verlassen und zu emigrieren?

00:41:49: Ja ich wollte meine Stadt nicht verlassen.

00:41:52: Mein Entschluss stand fest lieber in Wien sterben als in Australien leben.

00:41:57: Ich bin in Wyn geblieben, verborgen im Schoß meiner Familie und geschützt durch meine arische Frau Leopoldine.

00:42:05: Dennoch war es eine Zeit der tiefsten Demütigung.

00:42:08: Wie haben sie den Tag des sogenannten Anschlußes Erlebt der ausgerechnet auf ihren Geburtstag viel.

00:42:16: Ja, nach der Abschiedsrede von Schuhschnick bin ich vor Aufregung ohmächtig zusammengebrochen.

00:42:22: Gerade an meinem sechzigsten Geburtstag sind es Hitlers Truppen einmarschiert.

00:42:27: Von da an war ich ganz niedergebeugt und habe lange Zeit keine Taste meines Klaviers mehr angerührt.

00:42:33: Es war eine Zeit der Isolation.

00:42:35: Bekannte gingen von einem Tag auf den anderen gruslos an mir vorbei.

00:42:39: Ich habe keine öffentlichen Gärten mehr betreten dürfen.

00:42:43: Ich erinnere mich noch, dass ich gesagt hab jeder Hund darf in den Park spazieren laufen aber wir nicht.

00:42:49: auch die finanzielle Not war ja treukend da meine Werke ja verboten wurden und keine Tante jemen mehr gekommen sind.

00:42:55: Meine Pension wurde auf elf Mark- und elf Pfennig gekürzt so das ich dann gezwungen war meinen Lebensunterhalt mühsam mit Klavierstunden zu verdienen.

00:43:04: In dieser schweren Zeit war ihre Familie Fels in der Brandung.

00:43:08: Ihre Frau Leopoldine sowie ihre Töchter und ihr Schwiegersohn haben sich aufopfern, um sie gekümmert.

00:43:15: Und sogar um ihren Verbleib in der Wohnung gekämpft!

00:43:18: Ein besonderes Zeichen dieser Verbundenheit war auch die Rettung ihrer Büste aus dem Theater an der Wien durch ihre Tochter Maria und die mutige Pförtnerin Frau Beppe.

00:43:29: Dieses Werk hat übrigens heute einen Ehrenplatz im Bezirksmuseum Josef stattgefunden.

00:43:35: Also das ist eine wunderbare Nachricht... Überhaupt hätte ich diese Jahre ohne meine Lieben nicht überstanden.

00:43:43: Meine Frau ist die edelste Frau, die man sich denken kann und hat jederzeit treu zu mir gehalten dass Maria die Püste damals heimlich vor der Horde in ein Tischduch gewickelt nach Hause gebracht hat.

00:43:56: das war ein großer Trost für uns.

00:43:58: Die gefährlichste Prüfung stand ihnen noch im März, dass sie in der Sechs Schimmelgasse von den Wassermassen überrascht wurden.

00:44:08: Wie haben Sie diesen Moment überstanden?

00:44:11: Ja eine Bombe hat die Wasserrohre zerrissen gehabt und im Nu ist uns das Wasser wortwörtlich bis zum Hals gestanden.

00:44:18: Wir wurden im letzten Moment gerettet und um meine Zittern der Familie zu lachen zu bringen habe ich damals gesagt Ich habe keine Angst gehabt, ich bin ja ein echter Wiener und der echter wiener geht nicht runter.

00:44:31: Wir blicken nun auf die dramatischen letzten Tage des Krieges und ihren Weg zurück in ein freies Wien.

00:44:37: als im April nineteen fünfundvierzig der Kampf um Wien entbrannte wurde er über Lebenswille noch einmal auf eine harte Probe gestellt.

00:44:46: Keisler wie haben sie die Zeit des Beschusses in ihrer Wohnung in der Josefstadt verbracht?

00:44:52: Ja, Donnerstag nach Ostern Fünften April, da sind wir in der Zeltgosen in den Keller gegangen.

00:45:00: Es gab doch keine Beleuchtung und die Finsternis hat uns sehr betrückt.

00:45:05: Raten waren unsere Gesellschafts aber trotz der Angst hat uns die Hoffnung auf Befreiung aufrecht gehalten bis wir endlich wieder das Liebe des herrliche Lichtes der Sonne haben grüßen

00:45:17: dürfen.".

00:45:18: Es gibt eine berührende Geschichte über einen Begegen mit russischen Soldaten, die in ihre Wohnung kamen um nach Waffen zu suchen.

00:45:26: Was passiert denn diesen Moment?

00:45:28: Ja der Offizier eingetreten ist und nach Waffengefragt hat habe ich nur auf meinen Flügel gedeutet und hab gesagt das ist meine Waffe!

00:45:37: Die Soldaten haben gerufen bitte spielen und ich habe meine schönsten Lieder und Walzer gespielt.

00:45:43: Die Russen waren zur Training gerührt.

00:45:47: Ja, damit war die Waffensuche beendet.

00:45:50: Nach dem Krieg erfuhren sie eine späte aber umso herzlichere Würdigung ihres Lebenswerks.

00:45:55: Alle ehemaligen Freunde fanden den Weg zurück in die Zeltgasse und der Staat ernte sie aus dem Titel Professor.

00:46:06: Herr Eisler wie fühlte es sich an nach den Jahren des Schweigens wieder vor ihr Publikum zu treten?

00:46:12: Naja... Es war eine große Genugtuung!

00:46:15: Trotz der Mühsalle Ich musste ja anfangs oft weite Strecken zur Fuß gehen, habe ich wieder dirigiert und Konzerte gegeben.

00:46:23: Mit der Operette Wiener Musik ist mir in Burgtheater noch einmal ein großer Erfolg gelungen.

00:46:30: Besonders glücklich hat mich aber das Jahr nineteen achtundvierzig gemacht als ich mit meiner Leopoldine der guten Fee meines Lebens die goldene Hochzeit feiern durfte.

00:46:42: Die Rückkehr ihres wohl bekanntesten Werkes auf die Wiener Bühnen war sicher auch ein ganz entscheidender Moment der Nachkriegszeit.

00:46:50: Neben ihren neuen Kompositionen feierte ihr Meisterstück, die Goldene Meisterin nach den Jahren des Verbots eine Drehunfalle Rückkehr.

00:46:59: Wie haben Sie diese Wiederbegegnung mit Ihrem Werk erlebt?

00:47:03: Auch das war natürlich eine tiefe Genugtuung zu sehen dass die Wiene ihre Meisterinnen nicht vergessen haben!

00:47:10: Am dreißigsten November, das war also nur ein paar Monate nach Kriegsende ist die Operette im Rheimond Theater in einer glanzvollen Neuinzzenierung herausgekommen.

00:47:21: Es war ein wunderbares Zeichen der Kontinuität dass der unverwüstliche Richard Waldemarer wieder als Klosterbruder Ignatius auf der Bühne herrschtehen können.

00:47:30: Er war der einzige Darsteller der ursprünglichen Besetzung vom nineteen siebenundzwanzig der seine Rolle auch nach dem Krieg wieder übernehmen hat können.

00:47:40: Die Begeisterung des Publikums war offenbar ungebrochen, denn die Aufwörungszahlen erreichten rasch neue Rekorde.

00:47:47: Ja das stimmt!

00:47:48: Ein besonders bewegender Moment war der elfte März, und es war der Vorabend meines Zwei-und-Siebzigsten Geburtstags.

00:47:57: Da durfte ich unter dem stürmischen Beifall der Wiener die Gevierhundertfünfzigste Aufführung der goldenen Meisterin miterleben.

00:48:05: Es war für mich der Beweis dass alte Wien und seine Musik waren wieder auferstanden.

00:48:10: Auch in der Folgezeit ist das Stück ja ein fester Bestandteil des Reporters geblieben, und wurde mit großartigen Künstlern wie Gina Klitsch, Alexander Pichler und Fritz Imhof immer wieder und immer wieder neu zum Leben erweckt.

00:48:24: Wir kehren zum Abschluss unserer Reise noch einmal dorthin zurück wo ihre Jugend ihre tiefsten Spuren hinterlassen hat – in den Fünften Bezirk!

00:48:34: Wenn Sie heute an Ihre Jahre in Fünfhaus zurückdenken lieber Herr Eisler, was ist Ihre schönste und lebendigste Erinnerung an diese Zeit?

00:48:43: Ja.

00:48:44: Wissen Sie wenn ich an Fünf Haus denke dann sehe ich ja nicht nur die engen Gassen sondern ich höre vor allem die Musik meines Herzens.

00:48:53: Die schönste Erinnereung.

00:48:56: Das war gewiss mein Amau wie ich schon erzählt habe, ich war damals elf Jahre alt zum ersten Mal.

00:49:02: Ich sage jetzt, die Liebe in mein Herz eingezogen ist.

00:49:05: Und wie gesagt das Lernen war gleich neben es auch und ich habe oft die Schule geschwänzt um ihr begegnen zu können und ein glücklicher Umstand war dass ihre Großeltern genau wie wir in der Kohlenhofgrasse gewohnt haben und man kann von unserer Wohnung direkt zu ihren Fenstern hinüber sehen.

00:49:21: Und ich lag dort natürlich oft auf der Laue.

00:49:25: Sobald ich gesehen habe, dass sich drüben der Vorhang bewegt, wusste ich, daß die Holde dahinter versteckt zu mir herüber plänzelt.

00:49:33: Und dann gab es kein Halt mehr!

00:49:34: Ich hab mich ans Klavier gesetzt an meinen Flügel und fettierte sie über die Straße hinweg mit Musik.

00:49:41: Es war ein buntes Potpourri aus allem was damals neu und modern war.

00:49:45: Ich habe ihr Lieblingslied gespielt Behütte dich Gott, das wäre zu schön gewesen.

00:49:50: Nesslers Trompeter von Säkingen, dann Richard Genes Annal zu dir ist mein liebster Gang.

00:49:56: Schrammels wie in Tobonadu herrliche Stadion und natürlich auch Gassenhauer wie das is die Liebe.

00:50:02: nur ganz allein.

00:50:04: oder Fischerin du kleine Jorn so habe ich mich immer näher an sich herangebracht.

00:50:09: Leider werte diese Idylle ja nicht ewig weil ihre Eltern in die Leopoldstadt übersiedelten.

00:50:15: haben sie Annal später noch wieder gesehen?

00:50:18: Ja, aber erst viele Jahre später.

00:50:20: Ich war schon ein bekannter Komponist, mein unsterblicher Lump aufgeführt wurde und da haben wir uns wieder getroffen.

00:50:29: Sie war damals Eigentümerin eines Hood-Modesalons in der Walfischgossen.

00:50:34: Wir haben über die alten Zeiten geredet und bald darauf habe ich erfahren dass sie einen anderen heiraten würde und damit war mein schwärmerischer Taum.

00:50:42: zu Ende.

00:50:44: Kann man sagen, dass Ihre Zeit in Fünfhaus sie künstlerisch beeinflusst hat?

00:50:49: Auf jeden Fall.

00:50:50: Alles was ich geschaffen habe, Wurzel die ein diesem Winertum, das sich schon als Kind in der Vorstadt erlebt und gelebt haben.

00:50:57: Das Kleinstädtische Milieu auch von Fünfhaus hat auf mein inneres Leben fortgewirkt Und gerade deshalb ist mir immer die Musik am besten gelungen, die dort ihren Ursprung hat.

00:51:08: Lieber Herr Eisler, kurz nach den ganz vollen Feiern zu ihrem seventy-fünfzigsten Geburtstag Ihrem fünftigjährigen Jubiläon und der Verleihung des Ehrenringes aus Stadt Wien im März, war es leider still um Sie.

00:51:24: Ein unglücklicher Sturz von der Bühne führte dazu, dass sie ihre letzten Tage im evangelischen Hospiz an der Horsauer Lände verbringen mussten.

00:51:33: Am vierten Oktober, forty-neinzehn neunundvierzig sind sie dort an einem Leberleiden verstorben.

00:51:38: Während ihre Frau und ihre Töchter an ihrem Bettwache hielten.

00:51:44: In den Nachrufen hieß es damals ein Komponist ist gestorben, Edmund Eisler isst nicht mehr!

00:51:51: Man bezeichnete sich als den Schlussstellen eines Zeitalters und als den letzten großen Vertreter der klassischen Wiener Operette.

00:52:00: Auch wenn ihr letzter Wunsch, ein Grab neben Millekor zu finden nicht ganz in Erfüllung ging.

00:52:06: So hat ihnen die Stadt Wien doch einen Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof direkt nebendurch draus bereitet?

00:52:13: Ja weißt du am Ende ist es nicht so wichtig ob ich nun neben dem einen oder dem anderen liegt.

00:52:19: Die Gesellschaft im Zentral Friedhof ist ja ohnehin exzellent.

00:52:24: Es war eine späte aber ehrliche und eine weitere Genugtuung dass die Wiener mich am Ende noch einmal so stürmisch gefeiert haben.

00:52:32: Unser lang meine Melodien in den Köpfen der Leute bleiben und man sich an die gute Wiener Börd erinnert, ja bin ich zufrieden.

00:52:42: Lieber Herr Eisler, darf ich Sie zum Schluss noch etwas fragen?

00:52:46: Ja aber gern mein Kind!

00:52:47: Dazu frag mich.

00:52:49: Es geht um das Lied dass sie zu Beginn angesungen haben.

00:52:52: was ist die Gretel von Fünffhaus?

00:52:55: Der Text ist zwar von Erwin Spahn Aber könnte es sein, dass da ein wenig von ihrem anderen drin steckt oder zumindest davon angeregt

00:53:04: ist?

00:53:04: Ja also wenn ich auch darauf antworten könnte möchte ich dazu aber lieber sprechen.

00:53:11: Das respektiere ich natürlich.

00:53:12: lieber Herr Eisler Ich bedanke mich für das inspirierende Gespräch.

00:53:17: Sehr gern!

00:53:18: Es hat mir sehr viel Freude bereitet mein Leben und meinen Schaffen noch einmal so Revue passieren zu lassen.

00:53:25: Und weil dich das Gretel Lieds, so sehr interessiert.

00:53:30: Wollen wir den Refrain gemeinsam singen?

00:53:57: Sehr gern!

00:54:12: Das ist wirklich ein nettes Lied Brigitte und wenn man Eisler so über seine Jugend in fünf Haus erzählen hört, dann muss ich dir recht geben.

00:54:21: Ich glaube auch dass dieses Lied viel mit seinem Anderl zu tun haben könnte dem Mädchen aus der Rosiner Gasse, für das er damals so ausdauernd am Flügel musiziert hat.

00:54:32: Das wäre eine Möglichkeit!

00:54:35: Aber wir müssen jetzt unbedingt auch über den Titel der heutigen Folge sprechen – ein echter Wiener geht nicht unter.

00:54:43: Da werden die meisten wahrscheinlich sofort an die legendäre Fernsehserie mit Karl Merkerts als Mundelsackbauer denken oder?

00:54:52: Ganz genau Aber Edmund Eisler hat diesen Ausdruck schon viel früher geprägt.

00:54:57: Er sagte ihn im März, dass er mit seiner Familie in einem Luftschutzkeller von einströmenden Wassermassen aus einer zerrissenen Leitung überrascht wurde.

00:55:07: und seine Lieben zu beruhigen meinte er damals Ich bin ein echter Wiener Und?

00:55:13: Ein echter wiener geht nicht unter.

00:55:16: Was für eine Geschichte!

00:55:18: Und sag mal wer war denn nun unser Edmund Eisler?

00:55:22: In die Rolle ist diesmal der vielseitige Künstler Andre Blaugisch-Lüb.

00:55:26: André hat schon oft mit uns zusammengearbeitet, etwa bei der szenischen Lesung zu Max Winter und hat sich wirklich hervorragend auf dieses Interview

00:55:36: vorbereitet.".

00:55:37: Das hat man auch gemerkt!

00:55:39: Ein trauriger Kontrast zu dieser Wiener Fröhlichkeit ist allerdings das Schicksal des Texts Dichters von Gretl aus Fünfaus Erwin Spahn.

00:55:48: Ja er hatte leider nicht das Glück zu überleben.

00:55:52: Als Jude verfolgt, wurde er nach Sachsenhausen und später ins KZ Dachau deportiert.

00:55:58: Dort wurde ja im Juni-Manns in Nürnberg ermordet.

00:56:01: Er wurde bei der qualvollen Arbeit auf der sogenannten Plantage einer Heilkräuteranlage auf der Flucht

00:56:08: erschossen.".

00:56:09: Das stimmt nachdenklich!

00:56:12: Es ist wichtig auch an diese Menschen zu erinnern die unsere Wiener Kultur so geprägt haben und dann so grausam ausgelöscht wurden.

00:56:22: Wollen wir noch etwas zu den aktuellen Infos aus dem Museum sagen, lieber Brigitte?

00:56:28: Ja gern!

00:56:29: Trotz Sommerpause bieten wir einen Sonderöffnungstag an.

00:56:33: Wer im August-Museumsluft schnuppern möchte ist am Donnerstag, dem zwanzigsten Agust, für die Zeit von siebzehn bis neunzehnt Uhr herzlich in die Rosiner Gasse IV eingeladen.

00:56:46: Eine gute Chance – Die aktuelle Ausstellung Wasser, Natur und Kultur zu besuchen.

00:56:52: Und ein kühles Getränk an unserer Museumsbad zu genießen!

00:56:56: Und wie geht es im September weiter?

00:56:59: In der nächsten Folge übernimmt wieder Karine Liesesturm des Zepter.

00:57:04: Sie hat das spannende Projekt Ticket to the Moon in der Hercklotzgasse XXI Besuch.

00:57:10: Ah die kenne ich Die stellen doch diese genialen Hängematten aus falschem Stoff her

00:57:15: oder?!

00:57:16: Genau, es ist ein faires Upcycling-Projekt und einer starken sozialem Mission.

00:57:21: Karin hat sich dort umgesehen und wird uns mehr über diese Wohlfühlprodukte für Träumer und Träimerinnen

00:57:28: erzählen.".

00:57:29: Das klingt nach einem perfekten Thema für den Spätsommer!

00:57:33: Danke für dieses beeindruckende, fiktive Interview Brigitte.

00:57:37: Ich

00:57:37: danke dir für deine Unterstützung Birgit!

00:57:39: Es war mir wie immer ein Ehrenamt.

00:57:42: Und an Sie lieber Hörerinnen und Hörern, bleiben sie uns gewogen oder sein Film Haus hat viel zu bieten.

00:57:48: Machen wir was draus gemeinsam.

00:57:51: Wenn Sie wissen über die Geschichte des fünfzehnten Bezirks erweitern möchten wenn Sie kulturelle umgesellschaftspolitische Themen schätzen Wenn Sie gespannt auf interessante Menschen und Themen aus Vergangenheit und Gegenwart im Fünfzehnten Bezirk sind, dann sind sie bei uns richtig.

00:58:07: Besuchen Sie unsere Ausstellungen und Veranstaltungen im Museum, verfolgen Sie unsere Aktivitäten auf unserer Website, unserem Blog, unserem YouTube-Kanal oder Facebook, Instagram und Co.

00:58:20: Infos und Links finden Sie in den Shownotes!

00:58:23: Wir sind auch gespannt auf Ihre Kommentare und Anregungen.

00:58:27: Wir freuen uns auf die nächsten spannenden, fünfzehn Minuten bei Fünfzehn-Minuten über den Fünften.

00:58:34: Und verabschieden uns mit der anregenden Musik vom Negora und der berauschenden Stimme von Michael Stark.

00:58:41: Auf Wiederhören!

00:58:46: Das war

00:58:56: eine weitere Folge von «Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten».

00:59:00: Infos und Links finden Sie in den Show-Notes.

00:59:03: Und auf www.museumfünfzehm.at slash Podcast.

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