Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

DER Kultur-Podcast aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus

Rudolfsheim-Fünfhaus hat seinen eigenen Podcast!

Im Fokus sind interessante Menschen & Themen aus Vergangenheit und Gegenwart des 15. Wiener Gemeindebezirks. Betrieben wird "Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten" von der ehrenamtlichen Leiterin des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus, Brigitte Neichl. Mehr Infos unter www.museum15.at

Transcript

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00:00:00: Also hat mir das Projekt sehr gut gefallen, es hat sehr viel Spaß gemacht und ich habe und ich habe sehr viel gelernt.

00:00:10: Intro

00:00:48: Hallo und herzlich willkommen zur zehnten Folge von Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten.

00:00:54: Mein Name ist Brigitte Neichl. Schön, dass Sie eingeschaltet haben! Heute habe ich eine ganz besondere Folge für Sie

00:00:59: vorbereitet. Ich habe keinen Interviewgast, dem ich drei Fragen stelle.

00:01:07: Heute habe ich eine ganze Volksschulklasse, samt Lehrerin und zwei Studierenden der Pädagogischen Hochschule zu Gast. Was Sie heute hören, ist auch nicht an einem Tag entstanden,

00:01:19: sondern eine Auswahl aus insgesamt 10 Stunden Audiomaterial,

00:01:25: in Form einer Audiocollage. Worum geht es? Verena Hinteregger, eine sehr engagierte Lehrerin

00:01:31: der Volksschule Friedrichsplatz und ich haben für Ihre 1. Klasse ein Projekt mit dem Titel "Zeitreise" entwickelt,

00:01:42: bei dem wir ausgewählte Objekte am Westbahnhof erkundeten. Ziele waren unter anderem ein Kennenlernen des Lebensraums Bezirk

00:01:52: und der Vergangenheit der unmittelbaren Lebensumgebung der Kinder.

00:01:57: Die historische Orte wurden mit unterschiedlichen Medien interpretiert.

00:02:04: Bei einem ersten gemeinsamen Termin im Bezirksmuseum erfuhren die Kinder vorerst interessante Infos über den Bahnhof und die drei Objekte, die wir uns speziell ansehen wollten.

00:02:17: Das war zum einen die Statue von Kaiserin Elisabeth, ein Werk des Malers und Bildhauers

00:02:21: Hans Gasser, das um 1860 geschaffen wurde.

00:02:29: Die Skulptur ist das einzige, was noch vom ursprünglichen - 

00:02:33: 1858 eröffneten und 1945 zerstörten Westbahnhof - erhalten ist.

00:02:42: Sie befindet sich in der oberen Halle des Westbahnhofs.

00:02:46: Das zweite Objekt, das wir ausgewählt haben, war das Denkmal "Für das Kind" von Flor Kent.

00:02:55: Es befindet sich seit 2008 in der Kassenhalle und zeigt einen Buben, der auf einem Koffer sitzt.

00:03:03: Das Denkmal erinnert an die 10.000 mehrheitlich jüdischen Kinder,

00:03:09: die 1938 durch die sogenannten Kindertransporte

00:03:14: nach England vor der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime gerettet werden konnten. Das dritte Objekt schließlich befindet sich etwas außerhalb des Westbahnhofs -

00:03:26: Es ist der Europa-Gedenkstein am Europaplatz.

00:03:32: Der Platz vor dem Westbahnhof wurde 1958 in Europaplatz benannt.

00:03:39: Damit sollte der Europagedanke dokumentiert werden.

00:03:45: Beim nächsten Termin besuchten wir dann also den Westbahnhof. Die Kinder konnten die drei Objekte zeichnen und fotografieren.

00:03:56: Die Zeichnungen und Fotos wurden gemeinsam mit den Kindern bearbeitet und schließlich zu einer Broschüre zusammengestellt.

00:04:06: Dazu mehr nach der Audiocollage.

00:04:10: Während der Workshops entstanden auch immer wieder Tonaufnahmen, die schließlich zu dieser Podcast-Folge verarbeitet wurden.

00:04:19: Vielen Dank an diese Stelle auch an KulturKontaktAustria, die dieses Projekt gefördert hat.

00:04:27: Das Museum ist ja in den Sommermonaten geschlossen.

00:04:30: Im August bieten wir aber eine Kinder-Festwoche für Mädchen und Buben von sechs bis zwölf Jahren an.

00:04:38: Dazu mehr bei den Veranstaltungstipps am Ende.

00:04:43: Und nun lade ich Sie zum Bericht einer historischen Zeitreise,

00:04:48: in Form einer Audio-Collage ein. Eine Zeitreise in die Vergangenheit.

00:05:02: Es ist mir auch so vorgekommen, dass die Kinder das interessiert und das andere war eben für mich, wir schauen ein bisschen zurück in die Vergangenheit, was da früher gewesen ist und was die Kinder vielleicht auch interessieren könnte.

00:05:09: Geschichtliche Dinge interessieren die Kinder. Sie möchten ganz gerne wissen, was da früher gewesen ist, und wer da früher gearbeitet oder gewohnt hat. Das ist für sie schon interessant.

00:05:21: Wir haben ja, dann, wir sind wir eben zusammen gekommen, haben das Projekt eingereicht, bei Kulturkontakt. Zuerst haben wir uns zusammengesetzt, haben ein Konzept entwickelt, das haben wir eingereicht, dann gab es noch Rückfragen und schließlich wurde es dann bewilligt.

00:05:36: Und wir haben uns ausgewählt, wir wollten das nicht zu umfangreich machen, damit die Kinder auch wirklichwas mitbekommen. Darum haben wir uns auf eine Sache konzentriert, 

00:05:46: und zwar kannst Du ein bisschen erzählen, was wir ausgesucht haben und auch wie es dann abgelaufen ist. Ja, wir haben uns dass für den Westbahnhof entschieden, weil den wirklich jeder kennt, der hier in der Gegend arbeitet oder wohnt,

00:06:00: und die Kinder auch von Anfang an dazu einiges wussten.

00:06:05: Und es gibt ja am Westbahnhof auch einige Dinge, die ganz interessant sind und an denen man vielleicht schon öfters mal vorbei gelaufen ist, weil man halt nicht genau geschaut hat.

00:06:15: Und deshalb haben wir den Westbahnhof genommen. Er ist nahe 

00:06:21: und es ist ein Ort, den die Kinder kennen und durchaus geschichtsträchtig.

00:06:36: Wo sind wir? Bezirksmuseum. Welcher Bezirk? Rudolfsheim-Fünfhaus. Ich wohne im 15. Bezirk. Warum ihr heute hier seid, das hat einen ganz speziellen Grund, weil ich nämlich mit eurer Lehrerin, mit der Verena, was ausgemauschelt habe, was besprochen habe,

00:06:42: dass wir nämlich gemeinsam was unternehmen. Und zwar nicht nur heute, sondern insgesamt 5x,

00:06:54: treffen wir uns bis zum Schulende. Ja hallo, Verena, wir haben ja gemeinsam dieses Projekt Zeitreise in Angriff genommen und durchgeführt und jetzt

00:07:05: würde ich gerne von Dir wissen,

00:07:09: wie bist Du auf die Idee gekommen, und wie bist Du dann auf mich gekommen und wie war der Weg bis zum Start des Projekts? Hallo liebe Brigitte! Ja, wie bin ich auf das Projekt gekommen?

00:07:23: Ich hab den Eindruck, dass es für die Kinder wichtig ist, mit dieser näheren Umgebung von der Schule und von ihrem Wohnort,

00:07:33: wenn die Kinder mit dieser näheren Umgebung irgendwie auf eine andere Weise in Kontakt kommen, als nur indem, dass sie einfach spazieren gehen oder mit Freunden spielen, sondern wenn sie sich halt was genauer anschauen.

00:07:47: Und nachdem wir ja schon öfters gearbeitet haben und ich weiß, dass Du den Blick für manche Dinge auch schärfen kannst,

00:07:55: habe ich mir gedacht, das wäre eigentlich nett wieder mit dem Kinder-Kultur-Treffpunkt

00:07:58: zusammenzuarbeiten oder halt mit dem Bezirksmuseum. Ich heiße Tobias, ich bin 7 Jahre alt und ich gehe auf den Friedrichsplatz.

00:08:10: Ich heiße Mina und ich bin auch 7 Jahre alt und bin auch auf dem Friedrichsplatz auf der Schule. Wart ihr schon mal in einem Museum? Ja, ich war im echten.

00:08:18: Wir wollen zurückschauen in die Vergangenheit und mit heutigen Mitteln herzeigen, was es interessantes in unserem Bezirk zu sehen gibt.

00:08:28: ich bin die Vitore, ich bin 22 Jahre alt und ich bin Studentin an der Pädagogischen Hochschule Wien im 10. Bezirk. Mein nächster Interview-Gast ist der Lukas.

00:08:38: Ja, ich bin 26, Student und komme ursprünglich aus Oberösterreich. Du bist ja mitten in dieses Projekt quasi hineingekommen, das die Verena und ich gemeinsam gemacht haben, dieses Zeitreise-Projekt. 

00:08:51: Was sagst Du dazu, wie gefällt Dir das?

00:08:55: Ich finde das Projekt sehr interessant und sehr spannend, vor allem auch, weil wir uns nicht nur mit dem "Jetzt" beschäftigen, wie es Hier und Jetzt ist , sondern auch, wie es früher war. 

00:09:03: Und ich denke, dass es für die Kinder auch sehr spannend ist, das sie das mal sehen. Also das heißt, Du hast das Projekt mitbekommenen, das Projekt Zeitreise,

00:09:11: warst auch mit bei dem Spaziergang, wo die Kinder fotografiert und gezeichnet haben. Wie hast Du das erlebt?

00:09:18: Na ich finde schon, dass die Kinder sehr aufmerksam waren.

00:09:22: Und weil sie auch viel selber machen konnten, wie fotografieren und die Skulpturen zeichnen.

00:09:30: Sie waren alle bei der Sache und ich finde, das hat ihnen sehr gefallen. Wir werden in den Westbahnhof gehen. Ja, und was werden wir dort machen? Nachzeichnen. Oder? Fotografieren? Genau!

00:09:44: Ich möcht so gerne, dass die Kinder mehr mit diesem Wohnort oder diesem

00:09:52: Lebensort, wo sie halt jetzt sind,

00:09:55: eins werden und sich mehr verantwortlich fühlen oder überhaupt grundsätzlich verantwortlich fühlen, sich hier wohlfühlen. Und dazu gehörts ja auch, dass man weiß,

00:10:07: was da früher gewesen ist und sich die Dinge eben ein bisschen genauer angesehen hat.

00:10:11: Und ich glaube, dazu kann das Projekt auch beitragen. Westbahnhof einst und jetzt.

00:10:19: Da steht: Kaiserin Elisabeth im alten und im neuen Westbahn. Genau!

00:10:31: Wir haben gesagt, wir schauen uns die Elisabeth, die Kaiserin, die Statue eigentlich von ihr, den Europa-Gedenkstein an. Ja, und? Sagst Du vielleicht noch das dritte?

00:10:35: Das Denkmal. Wie heißt das Denkmal? Denkmal für die Kinder. Für das Kind.

00:10:44: Und was sieht man auf diesem Denkmal? Also bei diesem Denkmal?

00:10:51: Ein Kind, das auf dem Koffer sitzt. Ja, weißt Du noch, was das bedeutet? Warum sitzt dieses Kind auf dem Koffer?

00:11:05: Weil die Eltern haben es nach Europa geschickt - nach England - nach England, dass es nicht im Krieg stirbt. Ja. Heute ist der wievielte? Weißt Du das?

00:11:14: Der 21.3.2019. Genau! Und wo sind wir hier? Europaplatz. Europastein - das ist ein bisschen schwieriger zu erklären - was der bedeutet. 

00:11:25: Also, er bedeutet, 

00:11:28: dass viele Länder nicht streiten, dass sie nicht die anderen Menschen töten. Der Europastein bedeutet,

00:11:40: dass sie zusammenarbeiten.

00:11:45: Dass man zusammenarbeitet, dass man sich verträgt, genau, dass man nicht streitet.

00:11:51: Ich gehe immer, wenn meine Mama mich abholt, durch den Westbahnhof und ich sehe die Elisabeth immer.

00:11:58: Eine ganz neue Erfahrung, weil ich das noch nie hatte in der Praxis, dass wir in der großen Gruppe irgendwie ein Projekt gemacht haben, und ich dabei sein durfte. Es war echt sehr spannend, das zu sehen.

00:12:07: Damit sie in Sicherheit sein können, oder? Bei dem Denkmal "Für das Kind" muss ich immer die traurige Geschichte denken.

00:12:16: Da denke ich immer daran. An welche traurige Geschichte? Wie das Kind weggeschickt wurde, wegen dem Krieg. Also für mich war es sehr interessant, es hat Spaß gemacht.

00:12:18: Ich bedanke mich schon sehr herzlich für die Zusammenarbeit und bin offen für Neues und für neue Taten.

00:12:33: ja danke schön! Also, ich danke dafür, dass Du dir all die Mühe gemacht hast und mit der ganzen Technik so gut zu Rande kommst. Und wir müssen natürlich auch dankbar sein für das Projektgeld,

00:12:42: das wir bekommen haben, das uns unterstützt bei unserer Arbeit.

00:12:50: Also, mir hat das Projekt sehr gut gefallen, es hat sehr viel Spaß gemacht, und

00:12:56: ich habe sehr viel gelernt. Wenn Sie sich näher für das Projekt interessieren und auch die Zeichnungen und Fotos der Kinder bewundern möchten,

00:13:04: empfehle ich Ihnen die Broschüre unserer Edition Bezirksmuseum 15/Kids.

00:13:11: Diese können Sie zum Unkostenbeitrag von 5 € im Museum erwerben

00:13:17: oder auch per Mail unter podcast@bm15.at bestellen. Nun habe ich noch - 

00:13:28: diesmal nur zwei - Veranstaltungstipps für Sie: Am 15.07. von 19 Uhr bis 21 Uhr laden wir zur 6. Podcast-Party ein.

00:13:39: Das Motto - wie immer - Feiern, Kennenlernen und Vernetzen.

00:13:46: Vom 5. bis 10. August findet - wie bereits erwähnt - im Bezirksmuseum die Kinder-Festwoche statt.

00:13:55: Während dieser Woche ist das Museum jeweils von 13 Uhr bis 17 Uhr für Kinder von 6 bis 12 Jahren geöffnet.

00:14:05: Zahlreiche Stationen laden zum Spielen, Staunen, Hören, Sehen und Lernen ein.

00:14:13: 5. bis 10.08.2019, 1150 Wien, Rosinagasse 4.

00:14:20: Das genaue Programm finden Sie auf unserer Homepage, den Link stelle ich Ihnen in die Shownotes.

00:14:28: Und nun komme ich schon zum Schluss. Was erwartet Sie in der nächsten Folge?

00:14:34: Auch diese ist wieder eine ganz besondere. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber es wird um ein Interview mit einer nicht mehr lebenden Person gehen.

00:14:45: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer. Rudolfsheim-Fünfhaus hat viel zu bieten. Machen wir was draus - gemeinsam!

00:14:54: Ich freue mich auf die nächsten spannenden 15 Minuten bei Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

00:15:02: und verabschiede mich mit der anregenden Musik von Nigora und der berauschenden Stimme von Michael Stark.

00:15:09: Auf Wiederhören. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag!

00:15:24: Ihre Brigitte Neichl

00:15:34: Outro